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Kiefernmuskel- und Gelenkserkrankungen

Die Bedeutung der Mund-Kieferregion geht weit über die Nahrungs­zerkleinerung hinaus: Zunge und Lippen formen die Sprache. Die Kaumuskel sind Teil der Mimik: Sind sie angespannt, wirkt die Person konzentriert oder gestresst.

Umgekehrt ist es dem Menschen angeboren, den Alltags-Stress nachts durch Anspannung der Kaumuskeln abzuleiten. Dies kann als Pressen lautlos geschehen und ist den jeweiligen Personen dann oft gar nicht bekannt, oder es erfolgt als Knirschen mit hörbaren Reibebewegungen der Zahnreihen gegeneinander.

Die Belastungen, die dabei auf Zähne und Kiefergelenk kommen, sind um ein Vielfaches höher als die bei der Nahrungs­zerkleinerung! Kommt diese Belastung häufig oder gar jede Nacht zustande, können alle beteiligten Strukturen Schaden nehmen:

  • Der Patient fühlt die lange Muskelanspannung als „Verspannungen“.
  • Überforderte Muskeln bilden Myogelosen, die als schmerzhafte, verhärtete Punkte gefühlt werden.
  • Besonders belastete Zähne können schmerzen und schließlich locker werden.
  • An den Zahnhälsen kann der physikalische Stress (Spannung) infolge der Druck- und Biegebelastung zu unsichtbaren Rissbildungen führen; die versprödete Zahnsubstanz mit der Zeit weggeputzt, es bilden sich Kerben und empfindliche Zahnhälse.
  • Das Kiefergelenk mit seinem zierlichen Knorpelkissen (Discus) ist nicht für starke Druckbelastungen ausgelegt. Die Abstützung der Kiefer sollte vielmehr über die Zähne erfolgen. Ist diese unzureichend, führt dauernde Muskelanspannung zu Gelenkskompression: Der Discus wird mit der Zeit verformt, bis er seitlich vom Gelenk­köpfchen abrutscht. Dann drückt das Gelenkköpfchen auf die zirkuläre, zarte Bindegewebs­aufhängung statt auf den knorpeligen Discus selbst, was zunehmend schmerzhaft werden kann. Da Gelenksüberlastung meist  infolge überhöhter Muskelanspannung auftritt, spricht man von Myoarthropathien (Muskel-Gelenks-Störungen).
  • Kiefergelenksknacken entsteht durch abwechselndes Auf- und Abgleiten des Discus auf das Gelenkköpfchen beim Mundöffnen und –schließen, dies ist mindestens störend, kann aber auch mit Beschwerden verbunden sein.
  • Wird der Unterkiefer dauerhaft zu weit nach hinten gezwungen, kann das Gelenkköpfchen durch Druck auf die direkt benachbarte Ohrregion dort die Durchblutung stört. Dies kann zu Ohrgeräuschen führen.

„Jeder Unterkiefer hängt zwischen Kopf und Rumpf!“

Die Muskeln, die als Mundöffner zwischen Kinn und Schlüsselbein liegen, sind zugleich Teil der vorderen Kopfhaltemuskulatur. Sind die Kaumuskeln verspannt, hat auch die vordere Kopfhaltemuskulatur eine zu hohe Spannung. Diese muss ausgeglichen werden durch eine entsprechend überhöhte Gegenspannung der hinteren Kopfhalte­muskulatur: Es resultiert eine Nackenverspannung! Patienten mit (nächtlichem) Bruxismus wachen daher oft schon morgens verspannt auf.

Doch es geht noch weiter: Über aneinander knüpfende Muskelketten kann sich die Verspannung in den ganzen Rücken fortsetzen – oder umgekehrt: Patienten mit schiefem Becken oder Rückenproblemen können wiederum über die Muskelketten ausstrahlende Probleme im Kieferbereich haben.

Selbsthilfe

Verspannungen im Kiefer- und Kopfbereich können Sie effektiv selbst durch spezielle Massage lindern. Hierzu  bieten wir An- und Einweisungen (Link).

Dauerhafte Hilfe bringen oft erst tägliche Bewegung an frischer Luft und Übungen für eine optimale Körperhaltung! Auch hierzu bieten wir An- und Einweisungen (Link). Überzeugen Sie sich selbst!

Links zu den Themen:

Zähneknirschen und-pressen
Zur Therapie funktioneller Erkrankungen
klinische Funktionsanalyse